Seniorengerechte Wohnung: Diese Anforderungen sollte sie erfüllen

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Seniorengerechte Wohnung? Zugegeben, sexy klingt das nicht. Praktisch sind solche Wohnräume aber allemal. Denn: Worum es bei einer seniorengerechten Wohnung eigentlich geht, ist Barrierefreiheit – ein Thema, das sich immer mehr Architekten und Bauherren auf die Fahne geschrieben haben. Zahlreiche Wohnräume kommen inzwischen ohne störende Stolperfallen daher und sind damit bestens geeignet für Menschen, die Türschwellen oder Treppenstufen einfach nicht mehr so leicht überwinden können – oder wollen. Denn selbst junge Menschen finden ebenerdige Duschen oder schwellenlose Türen klasse. Wer auf der Suche nach einem barrierefreien Objekt ist, der erfährt hier, auf welche Ausstattungsmerkmale es in den folgenden Wohnbereichen ankommt.

Eingangsbereich

Schon bevor man eine seniorengerechte Wohnung betritt, spielt Barrierefreiheit eine Rolle. Denn für stolperfreies Wohnen müssen nicht nur die eigenen bzw. gemieteten vier Wände an sich speziellen Ansprüchen genügen. Schon der Eingangsbereich sollte so gestaltet sein, dass jeder, der nicht mehr so mobil ist oder so gut sieht, leicht Zutritt zur Wohnung hat. Das fängt beim Hauszugang an.

Hauszugang

Zu einer altersgerechten Wohnung gehört ein barrierefreier und sicherer Zugang ins Haus. Über eine Rampe oder einen Hebelift erreichen Senioren, die zum Beispiel auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, sehr viel leichter die Hauseingangstür. Zu bedenken gilt es, dass manch ein Bewohner im Alter sogar auf mehrere Mobilitätshilfen zurückgreifen möchte oder muss. In solch einem Fall muss im Eingangsbereich ausreichend Platz sein, um beispielsweise ohne anzuecken von einem Rollstuhl auf den anderen umzusteigen. Außerdem muss Platz zum Abstellen der Mobilitätshilfen vorhanden sein. Ist außerhalb der Wohnung nicht ausreichend Platz, muss die Wohnung über ausreichend Abstellfläche verfügen. Zudem ist eine ausreichend breite Hauseingangstür wichtig. Laut DIN 18040 – den DIN-Anforderungen für barrierefreies Bauen – ist für Haus- und Wohnungseingangstüren eine Breite von mindestens 90 Zentimetern notwendig. Auch die Außenbeleuchtung spielt im Hauseingangsbereich eine nicht unerhebliche Rolle.

Beleuchtung und Überdachung

Ein altersgerechter Eingangsbereich verfügt über eine gute Außenbeleuchtung, durch die Hausnummer und Türklingel gut erkennbar sind. Nicht nur die Bewohner können ihr trautes Heim so im Dunkeln oder bei schlechtem Wetter von weitem gut erkennen. Auch der Rettungsdienst kann das Gebäude in einem Notfall schnell finden. Der Eingangsbereich sollte außerdem überdacht sein. Das klingt zwar banal, macht das Leben aber erheblich einfacher. Denn eine verschneite Rampe oder ein vereister Hebelift ist nicht nur ärgerlich, sondern kann schnell zur gefährlichen Rutschpartie werden.  Barrierefrei geht es selbstverständlich im Gebäude weiter.

Wohnungstür

Ebenso wie die Hauseingangstür muss auch die Wohnungstür einen breiten Türrahmen von mindestens 90 Zentimetern haben. So passen Rollator oder Rollstuhl bequem durch. Perfekt ist ein automatischer Türantrieb. Der erleichtert Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollator den Zutritt. Auch ein zweiter Türspion ist angebracht. Der Durchguck auf Sitzhöhen-Ebene ermöglicht Rollstuhlfahrern den optimalen Durchblick.

Wohnraum

Stufen, Stolperfallen und Türschwellen: Solche Dinge sind in altersgerechten Wohnungen Tabu. Barrierefreiheit ist angesagt. Damit sich Rollstuhlfahrer, Gehhilfen- oder  Rollatorbesitzer ungehindert in den eigenen vier Wänden bewegen können, sind zum einen die Türen und Flure breiter als in herkömmlichen Wohnungen. Laut den DIN-Anforderungen für barrierefreies Bauen sollten die Türen innerhalb der Wohnung eine Breite von mindestens 80 Zentimetern haben. Wenn eine uneingeschränkte Rollstuhlnutzung möglich sein soll, wird eine Breite von mindestens 90 cm erforderlich. Im Idealfall gehen die Türen und Fenster nach außen auf. So haben  Helfer in einer Notsituation leicht Zutritt.

Für Rollstuhlfahrer sollten Lichtschalter, Türgriffe und Steckdosen darüber hinaus so angebracht sein, dass diese auch im Sitzen erreichbar sind. Lichtschalter, die sich in der Nähe der Tür befinden, sind zudem schneller zu erreichen und verringern somit das Verletzungsrisiko im Dunkeln.

Küche

Eine altersgerechte Küche ist extrem wichtig. Nur so ist es möglich, sich im Alter weiterhin selbst versorgen zu können. Damit das möglich ist, sollte die Küche wie folgt ausgestattet sein:

Arbeitsflächen und Verstaumöglichkeiten

Bei körperlichen Beeinträchtigungen im Alter fallen Alltagstätigkeiten wie Obst schneiden, Geschirr abspülen oder Teller einräumen häufig schwer. Mittlerweile haben sich die Küchenhersteller auf die ältere Zielgruppe eigestellt und bieten speziell auf sie abgestimmte Küchenlösungen an. Zum Beispiel gibt es inzwischen praktische höhenverstellbare oder unterfahrbare Arbeitsplatten. Die ermöglichen es, Schnippel- oder Abspülarbeiten auch im Sitzen zu verrichten. Auch Geräte, die sich auf der Arbeitsplatte befinden – wie Kaffeemaschine oder Wasserkocher – sind so jederzeit erreichbar.  Längst gibt es auch ausziehbare Schubladen und sogenannte Apothekerschränke, die den Zugriff auf die Dinge, die sich im Schrank befinden, erheblich erleichtern.

Elektrogeräte

In „normalen“ Küchen stehen Elektrogeräte wie Backöfen, Spülmaschinen und Kühlschränke in der Regel auf dem Boden. In seniorengerechten Küchen sind diese Geräte auf Höhe der Arbeitsfläche untergebracht. Ständiges und nerviges Bücken fällt damit weg, was unter anderem den Rücken schont. Auch Rollstuhlfahrern fällt der Zugriff zu Backofen, Spülmaschine und Co. viel leichter, wenn die Geräte nicht auf dem Boden stehen. Wer zudem auf Induktionskochplatten setzt, bringt noch mehr Sicherheit in den Haushalt. Weil Induktionskochplatten nur warm werden, wenn sich magnetische Töpfe oder Pfannen darauf befinden, verringert sich durch ihren Einsatz die Verbrennungsgefahr deutlich. Auch die Brandgefahr fällt erheblich geringer aus. Schließlich sind Gasunfälle hier ausgeschlossen.

Badezimmer

Praktische Alltagshilfen, die den Aufenthalt im Badezimmer erleichtern, gehören in jedes seniorengerechte Badezimmer. Hier ein Überblick über die diversen Helferlein:

Badewanne

Gibt es  im Badezimmer eine Badewanne, verfügt sie im Idealfall über eine Tür und einen Hebesitz. Die Tür erleichtert das Ein- und Aussteigen. Der Hebesitz ermöglicht das sichere Hinsetzen und Aufstehen innerhalb der Badewanne. Ist die Badewanne nicht mit einem Hebesitz ausgestattet, kann dieser einfach nachgerüstet werden. Auch eine Tür lässt sich mit geringem Aufwand nachträglich einbauen.

Dusche

Eine altersgerechte Dusche hat keine Stolperkanten und ermöglicht den barrierefreien Einstieg mit oder ohne Mobilitätshilfe. Derartige ebenerdige Duschen kommen im Übrigen auch bei der jungen Generation gut an und werden im Fachhandel häufig nachgefragt. Im Gegensatz zu herkömmlichen ebenerdigen Duschen sind seniorengerechte Duschen allerdings größer und messen mindestens 120 mal 120 Zentimeter, für Rollstuhlbenutzer sollten es 150 mal 150 Zentimeter sein. Idealer Weise befindet sich in der Dusche eine rutschfeste Sitzmöglichkeit, damit auch im Sitzen geduscht werden kann.

Waschbecken

Das Waschbecken ist im Idealfall unterfahrbar. Das ist nicht nur für Rollstuhlfahrer wichtig, sondern bietet Senioren die Möglichkeit, zum Beispiel beim Zähneputzen bequem auf einem Stuhl Platz zu nehmen, ohne mit den Knien am Waschbeckenunterschrank anzustoßen. Der Spiegel muss dann so angebracht sein, dass man sich auch im Sitzen darin sehen kann.

Fliesen und Haltegriffe

Rutschhemmende Fliesen sind das A und O in einem seniorengerechten Badezimmer und sorgen für Trittsicherheit bei Nässe. Die Auswahl an derartigen Fliesen ist groß: Mosaike zum Beispiel erhöhen die Trittsicherheit allein durch ihren Fugenanteil und sind in vielen Varianten, Farben und Materialien erhältlich. Bei größeren Formaten empfehlen Fachleute gerne Fliesen ab Klasse R 10, also ab einem normalen Haftreibwert. Die bieten den optimalen Grip, ohne Abstriche an Ästhetik und Wohnlichkeit.

Auch die Armaturen spielen im seniorengerechten Bad eine Rolle: Sind sie mit Schwenkhebeln ausgestattet, fällt die Bedienung leichter. Obendrein gilt es, im Bad so viele Haltegriffe wie möglich anzubringen. Haltegriffe in Dusche und Badewanne sowie am Waschbecken verringern die Gefahr auszurutschen und sich zu verletzen. Übrigens: Heutzutage sehen Haltegriffe bei Weitem nicht mehr aus wie im Krankenhaus. Es gibt sie nicht nur in Gelb oder Weiß, sondern beispielsweise auch in moderner Edelstahloptik.

Balkon und Garten

Zu guter Letzt müssen auch Balkon und Garten – falls vorhanden – barrierefrei betreten werden können. Moderne barrierefreie Wohnungen machen auch das möglich, zum Beispiel  durch schwellenfreie Terrassentüren, die so den Zugang zum Balkon oder Garten erleichtern.

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