Erste Wohnung: Welche Versicherungen sind notwendig?

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Mit Beginn des Studiums oder einer Ausbildung geht häufig der Auszug aus dem Elternhaus einher. Der neue Lebensabschnitt mit erster eigener Wohnung bringt viele Veränderungen mit sich. Neben dem Auskosten deiner Unabhängigkeit und Freiheit musst du nun für viele Dinge selbst die Verantwortung übernehmen. Deine Eltern stehen dir sicherlich bei vielen Fragen mit Rat und Tat zu Seite, doch ihr Schutz greift nicht mehr so weit. Dies gilt zum Beispiel für die Versicherungen deiner Eltern, die dich bisher mit abgesichert haben. In unserem Überblick zu:

geben wir dir auf deine individuelle Situation zugeschnitten, Tipps und Hinweise zu:

  • Versicherungen, die noch für dich gelten
  • Versicherungen, die du unbedingt abschließen solltest
  • Versicherungen, auf die du verzichten kannst.

Versicherungen für Studenten mit erster eigener Wohnung oder WG

Als Student bist du volljährig, verfügst aber in der Regel noch nicht über ein geregeltes festes Einkommen. Trotz eigener Wohnung bist du daher in vielen Fällen noch über deine Eltern bzw. ein Elternteil mit abgesichert.

Krankversicherung

Die Krankversicherung ist eine notwendige Versicherung, die du auf jeden Fall haben solltest. Bis zum vollendeten 25. Lebensjahr kannst du als Student in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen versichert bleiben. Hast du einen Wehrdienst oder Wehrersatzdienst absolviert, verlängert sich der Zeitraum bis zu 12 Monate. Um im Familientarif der Krankenkasse mitversichert zu sein, darf dein regelmäßiges Einkommen als Student 425 Euro nicht übersteigen. Ein Minijob auf 450-Euro-Basis ist auch erlaubt. Erhältst du BAföG oder Unterhaltszahlungen wird dies deinem Einkommen nicht angerechnet.

Hast du das 25. Lebensjahr erreicht, bzw. gehst du dauerhaft einer Beschäftigung mit höherem Einkommen nach, bist du verpflichtet, dich beitragspflichtig zu versichern. Bis zum 14. Semester bieten die Krankversicherungen verhältnismäßig günstige Beiträge an.

Sind beide Eltern oder ein Elternteil ab einem monatlichen Brutto-Einkommen von 4.800 Euro privat krankenversichert, ist die Familienversicherung über die gesetzlichen Krankenkassen ebenfalls nicht möglich. Weitere Informationen zur Krankenversicherung findest du hier.

Haftpflichtversicherung

Eine weitere notwendige, wenn auch freiwillige Versicherung, ist die Haftpflicht. Sie schützt dich vor hohen Kosten, wenn du fahrlässig Schäden an Gegenständen oder Personen verursachst.

Auch hier gilt: Der Einzug in die erste eigene Wohnung macht es nicht zwingend notwendig, eine eigene Versicherung abzuschließen. Ähnlich wie bei der Krankenversicherung besteht bei Studenten Versicherungsschutz über die Eltern. Meist gilt auch hier eine Altersgrenze von 25 Jahren. Die genauen Konditionen solltest du bei der Haftpflichtversicherung deiner Eltern erfragen.

Achtung! Legst du zwischen Schulabschluss und Studienbeginn eine Pause ein, kann der Haftpflichtschutz über deine Eltern aussetzen. Informiere dich hier besser vorher, ob und unter welchen Bedingungen die Versicherung auch für dich einsteht.

Hausratversicherung

Ziehst du in eine eigene Wohnung, so hast du auch einen eigenen Hausstand mit mehr oder weniger teurer Einrichtung und Haushaltsgeräten. Eine Hausratversicherung sichert deine Möbel und Elektrogeräte gegen Beschädigung und Verlust durch Feuer, Sturm, Wasser, Einbruchdiebstahl oder auch Vandalismus ab.

Für Studenten, die ein einer WG oder einem Studentenheim wohnen, ist es in der Regel nicht notwendig, eine Hausratsversicherung zur Absicherung des Wohnungsinventars abzuschließen. Ziehst du in eigene Wohnung, die du mit teuren Möbeln oder Elektrogeräten ausstattest, lohnt sich eine günstige Hausratversicherung unter Umständen.

Unfallversicherung

Grundsätzlich besteht für jeden Studierenden eine Unfallversicherung über die Hochschule. Diese sichert dich ab:

  • bei Unfällen auf dem Hochschulgelände
  • bei Exkursionen
  • auf dem Weg von und zur Uni
  • bei Besuchen von Staats- und Universitätsbibliotheken
  • bei allen Tätigkeiten, die mit der Universität und dem Studium in Zusammenhang stehen wie zum Beispiel die Immatrikulation

Nicht alle Freizeitaktivitäten, zum Beispiel private Museumsbesuche, sind über die Hochschule abgesichert. Hier greift dann eine private Unfallversicherung, die separat abgeschlossen werden muss.

Mit dem Einzug in die eigene Wohnung oder WG bist du in der Regel nicht mehr über deine Eltern versichert. Da eine Unfallversicherung tatsächlich nur das Risiko des Unfalls abdeckt, wird hiervon in der Regel abgeraten. Möchtest du dich für die Zukunft sinnvoller absichern, solltest du dich eher für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert gegen das Risiko der Erwerbsunfähigkeit zum Beispiel nach einem schweren Unfall, aber auch durch eine Krankheit ab. Damit bietet sie einen umfassenderen Schutz als die Unfallversicherung.

Zwar zahlt auch die gesetzliche Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit, allerdings erst, wenn mindestens 36 Monate lang Beiträge eingezahlt wurden. Zudem fallen die Zahlungen der Rentenversicherung eher gering aus und sind abhängig von der Schwere der Beeinträchtigung, die zur Erwerbsminderung führten. Daher empfiehlt es sich insbesondere für junge Menschen in Ausbildung und im Studium, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, um im Ernstfall abgesichert zu sein.

Weitere Versicherungen

Versicherungen bieten Schutz und geben in gewissem Maße ein Gefühl von Sicherheit. Nahezu alle Gefahren, die im Leben lauern, sind mittlerweile versicherbar. Doch Versicherungen kosten Geld und daher sollten Kosten und Nutzen immer sorgfältig abgewogen werden.

Besitzt du ein Auto, Motorrad oder einen Motorroller, brauchst du eine Haftpflicht für dein Gefährt. Ziehst du in deine erste Wohnung, kannst du mit einer Mietkautionsversicherung die Kaution hinterlegen, um mehr Bargeld für deine Einrichtung und den Umzug zur Verfügung zu haben.

Folgenden Versicherungen sind für Studenten in der Regel unnötig:

  • Rechtsschutzversicherung
  • Krankenzusatzversicherung
  • Lebensversicherung

Versicherungen für Auszubildende mit erster eigener Wohnung

Ebenso wie der Studienort liegt auch die Ausbildungsstätte oft in größerer Entfernung zum Elternhaus. So steht mit dem Beginn der Ausbildung gelegentlich auch der Einzug in die erste eigene Wohnung an. Unser Überblick zeigt, welche Versicherungen du als Azubi wirklich brauchst und in welchen Fällen du noch über deine Eltern versichert bist.

Krankversicherung

Im Gegensatz zu Studenten sind Auszubildende ab dem ersten Tag der Ausbildung nicht mehr über die gesetzliche Familienversicherung versichert – unabhängig davon, ob sie eine eigene Wohnung beziehen oder zu Hause wohnen bleiben. Du solltest dich spätestens innerhalb der ersten vierzehn Tage deiner Ausbildung bei einer Krankenkasse deiner Wahl anmelden. Verpasst du diese Frist, meldet dich dein Arbeitgeber automatisch bei der Krankenkasse an, über die du vorher familienversicherst gewesen bist.

Bist du über deine Eltern privat krankenversichert gewesen, kommt für dich ab Ausbildungsbeginn trotzdem nur eine gesetzliche Krankenversicherung in Frage. Du hast allerdings die Möglichkeit, eine Anwartschaftsversicherung bei einer privaten Krankenversicherung abzuschließen, die es dir später erlaubt zu denselben Konditionen wie vor dem Ausscheiden wieder in die private Krankenversicherung einzutreten.

Haftpflichtversicherung

Auszubildende sind ebenso wie Studenten in den meisten Fällen über die Eltern haftpflichtversichert. In wenigen Ausnahmen gilt die Haftpflichtversicherung nur für alle im Haushalt lebenden Personen. Dies solltest du prüfen, bevor du in die eigene Wohnung ziehst. Hast du deine erste Ausbildung abgebrochen und befindest dich in einer zweiten Ausbildung, musst du dich selbst versichern.

Hausratversicherung

Der Abschluss einer Hausratversicherung ist immer Ermessensache, wird aber für Auszubildende ebenso wenig empfohlen wie für Studenten. Hast du allerdings teure Möbel geerbt oder zum Einzug das ein oder andere teure elektrische Gerät geschenkt bekommen, lohnt sich die Versicherung eventuell.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert deinen Lebensunterhalt ab, wenn du nach schwerer Krankheit oder einem Unfall nicht mehr in der Lage bist zu arbeiten. Als junger Mensch sind die Konditionen für den Einstieg recht günstig. Beim Abschluss solltest du darauf achten, dass die Laufzeit möglichst nah an dein Rentenalter heranreicht und die monatliche Rente mindestens 1.000 Euro beträgt, damit du deine Kosten zum Leben decken kannst.

Unfallversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Unfallversicherung vorzuziehen, da sie einen umfassenderen Schutz bietet. Solltest du in deiner Freizeit einen Extremsport ausüben, kann eine Unfallversicherung allerdings sinnvoll sein.

Weitere Versicherungen

Weitere Versicherungen brauchst du während deiner Ausbildungszeit nicht abzuschließen, es sei denn, du besitzt ein eigenes Auto oder möchtest dich während eines längeren Auslandaufenthalts mit einer Auslandskrankenversicherung absichern.

Versicherungen für junge Erwachsene mit eigenem Einkommen, die in die erste eigene Wohnung ziehen

Beziehst du deine erste Wohnung, wenn du bereits ein eigenes Einkommen hast, bist du für deine Versicherungen in der Regel komplett selbst verantwortlich. Denn nach Hochschulabschluss oder abgeschlossener Ausbildung ist eine Versicherung über deine Eltern nur noch in wenigen Ausnahmen möglich.

Krankenversicherung

Spätestens mit dem Abschluss deines Studiums bist du nicht mehr über die gesetzliche Familienversicherung deiner Eltern versichert. Der Beitrag für deine Krankenversicherung wird dir direkt von deinem Gehalt abgezogen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils 7,3 Prozent des Bruttoeinkommens. Viele Krankenkassen erheben einen monatlichen Zusatzbeitrag, der allein vom Arbeitnehmer zu zahlen ist. Hier lohnt es sich, Leistungen und Beiträge zu vergleichen.

Solltest du während einer Ausbildung oder eines Studiums eine Anwartschaftsversicherung für eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, ist nun vielleicht der Zeitpunkt gekommen, um von der gesetzlichen Krankenversicherung wieder in die private zu wechseln.

Kein Muss, aber eine Überlegung wert: Krankenzusatzversicherungen. Möchtest du zum Beispiel im Krankenhaus auf ein Einzelzimmer nicht verzichten oder für deine Zähne einen besonderen Schutz, kannst du zusätzlich privat vorsorgen.

Haftpflichtversicherung

Auch bei der Haftpflichtversicherung endet der Versicherungsschutz über deine Eltern mit dem Ende der Ausbildung oder des Studiums. Eine eigene Haftpflichtversicherung ist nun Pflicht, um dich vor Kosten zu bewahren, die deine Existenz bedrohen. Da im Schadensfall schnell eine größere Summe zusammenkommen kann, sollte die Deckungssumme nicht unter 5 Millionen Euro liegen.

Hausratversicherung

Die Hausratversicherung gehört nicht zu den Versicherungen, die die eigne Existenz absichern, da viele Schäden in der eigenen Wohnung auch aus eigener Tasche gezahlt werden können. Möchtest du dein Hab und Gut allerdings geschützt wissen, heißt es Anbieter und Leistungen vergleichen. So können über die Hausratversicherung beispielsweise auch Fahrraddiebstähle oder Überspannungsschäden, die durch Nachbargebäude verursacht werden, versichert werden.

Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung

Die Erwerbsminderungsrente durch den Gesetzgeber reicht in den meisten Fällen nicht aus, um die Lebenshaltungskosten im Bedarfsfall zu decken. Daher wird eine Berufsunfähigkeitsversicherung für alle Berufe empfohlen, um die Versorgungslücke zu schließen. Spätestens mit dem Start ins Berufsleben solltest du eine solche Versicherung abschließen. Denn je früher du anfängst Beiträge zu zahlen, desto geringer ist die monatliche Belastung, um eine ausreichende Versicherungsleistung zu erhalten.

Eine Unfallversicherung benötigst du nur, wenn du ein erhöhtes Risiko für Unfälle in der Freizeit hast. Achte hier auf eine ausreichende Deckungssumme, die mindestens das Vier- bis Sechsfache deines Jahresgehalts betragen sollte.

Rechtsschutzversicherung

Mit der ersten eigenen Wohnung kann es beispielsweise auch zu einem Mietrechtsstreit kommen. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt im Streitfall die Kosten für die Auseinandersetzung vor einem Gericht. Allerdings werden die Kosten nur bei Rechtsstreitigkeiten übernommen, die eine gute Erfolgsaussicht haben.

Viele Versicherungen haben eine dreimonatige Wartezeit in bestimmten Bereichen, dies betrifft zum Beispiel das Arbeitsrecht. Scheidungen oder Immobilienstreitigkeiten sind in der Regel komplett ausgeschlossen. Zu den notwendigen Versicherungen zählt der Rechtsschutz nicht. Ob er sich lohnt, ist eine persönliche Ermessenfrage.

Lebensversicherung

Bei der Lebensversicherung unterscheidet man zwischen der Risikolebensversicherung, die die Familie im Todesfall absichert und der Kapitallebensversicherung, die als Geldanalage dient. Aufgrund der allgemeinen Finanzlage wird von letzterer Lebensversicherung heute abgeraten. Die Zinsen fallen geringer aus als die Kosten für die Verwaltung, sodass unter dem Strich weniger ausgezahlt werden kann als eingezahlt wurde.

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